Terrorismusrisiko in Deutschland
Terrorismusrisiko in Deutschland
Deutschland erreicht beim Indikator Terrorismusrisiko nach der Neubewertung vom 12. Juni 2026 einen Rohwert von 4,4 Risikopunkte. Daraus ergibt sich ein Nomadino-Score von 56/100 und Rang 203 von 231. Der Wert ist damit deutlich schlechter als bei vielen kleineren oder weniger exponierten europäischen Ländern, aber weit entfernt von Staaten mit sehr hoher Terrorismusbelastung wie Pakistan, Burkina Faso oder Niger.
Warum Deutschland keinen sehr hohen Score bekommt
Deutschland ist kein Land mit alltäglicher Terrorgewalt. Trotzdem ist das Risiko nicht nur theoretisch. Der Global Terrorism Index 2026 weist für Deutschland einen 2025-GTI-Wert von 4,447 aus. Nomadino zeigt diesen Wert gerundet als 4,4 Risikopunkte an und rechnet ihn direkt auf die 100-Punkte-Skala um: Score = 100 - Rohwert * 10. Daraus entsteht der Score von 56/100.
Der Grund für die Abwertung ist nicht eine dauerhaft unsichere Alltagssituation, sondern die Kombination aus realen Anschlagsvorhaben, jihadistischer Propaganda, gewaltorientierten extremistischen Szenen und einer hohen Symbolwirkung Deutschlands als Ziel. Öffentliche Veranstaltungen, Weihnachtsmärkte, Bahnhöfe, jüdische und israelische Einrichtungen, staatliche Einrichtungen sowie große Menschenmengen gelten als besonders sensible Ziele.
Islamistischer Terrorismus bleibt der wichtigste Treiber
Der wichtigste Risikotreiber ist weiterhin islamistischer Terrorismus. Das Bundesamt für Verfassungsschutz nennt auf seiner Islamismus-Seite 21 islamistisch motivierte Anschlagsvorhaben, die seit 2015 durch deutsche Sicherheitsbehörden verhindert werden konnten. Außerdem werden 9.540 Personen dem gewaltorientierten islamistischen Personenpotenzial zugerechnet; das gesamte Personenpotenzial im Bereich Islamismus und islamistischer Terrorismus wird mit 28.280 Personen angegeben. Der Salafismus bleibt dabei laut BfV mit rund 11.000 Personen die dynamischste islamistische Bewegung in Deutschland.
Für Auswanderer, Expats oder Reisende bedeutet das: Das Risiko ist im normalen Alltag gering, aber bei Großveranstaltungen, stark besuchten Innenstadtbereichen und symbolischen Zielen nicht null. Deutschland hat leistungsfähige Sicherheitsbehörden und ein enges Frühwarnsystem, aber gerade Einzeltäter, online radikalisierte Personen und einfache Tatmittel lassen sich nie vollständig ausschließen.
Rechtsextremismus und andere Phänomenbereiche
Der Terrorismusindikator darf nicht nur islamistisch gelesen werden. In Deutschland ist auch rechtsextreme Gewalt ein strukturelles Sicherheitsproblem. Das BfV weist für 2024 37.835 rechtsextremistische Straftaten und 15.300 gewaltorientierte Rechtsextremisten aus. Nicht jede dieser Straftaten ist Terrorismus. Für den Risikorahmen ist die Zahl trotzdem relevant, weil terroristische Gewalt auch aus rechtsextremen, antisemitischen oder staatsfeindlichen Milieus entstehen kann.
Daneben beobachten Sicherheitsbehörden auslandsbezogenen Extremismus, Linksextremismus, Reichsbürger- und Selbstverwalterstrukturen sowie hybride Bedrohungen. Diese Bereiche fließen nicht alle eins zu eins in den GTI-Wert ein, erklären aber, warum Deutschland sicherheitspolitisch stärker exponiert ist als Länder ohne vergleichbare Zielsymbolik und ohne große extremistische Szenen.
Einordnung im Alltag
Für den Alltag in Deutschland ist die wichtigste Aussage: Terrorismus ist ein reales, aber seltenes Risiko. Wer in Berlin, Hamburg, München, Köln oder Frankfurt lebt, muss nicht mit einer dauerhaften Gefährdung rechnen. Die statistische Alltagsrelevanz ist deutlich geringer als bei Verkehr, gewöhnlicher Kriminalität oder Wohnkosten. Der Score von 56/100 soll deshalb nicht ausdrücken, dass Deutschland unsicher ist. Er zeigt vielmehr, dass Deutschland im internationalen Vergleich eine messbare Terrorismusbelastung hat, während viele Länder im GTI praktisch bei null liegen.
Praktisch sinnvoll sind normale Vorsichtsregeln: aktuelle Warnungen bei Großveranstaltungen beachten, verdächtige Gegenstände melden, Menschenansammlungen bei konkreten Polizeihinweisen meiden und bei Reisen die lokalen Sicherheitshinweise verfolgen. Darüber hinaus sind keine besonderen Anti-Terror-Maßnahmen für den normalen Alltag erforderlich.
Quellen
- Vision of Humanity: Global Terrorism Index
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Islamismus und islamistischer Terrorismus
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Rechtsextremismus
- Bundesministerium des Innern: Verfassungsschutzbericht
- Bundeskriminalamt: Politisch motivierte Kriminalität
Dieser Artikel wurde erstellt am 12. Juni 2026
Terrorismusrisiko — Globales Ranking ↗
| # | Land | Wert | Score |
|---|---|---|---|
| 1 | Estland |
0,0 Risikopunkte | 100 |
| 1 | Ghana |
0,0 Risikopunkte | 100 |
| 1 | Gambia |
0,0 Risikopunkte | 100 |
| 1 | Madagaskar |
0,0 Risikopunkte | 100 |
| 1 | Malta |
0,0 Risikopunkte | 100 |
| … | |||
| 201 | Australien |
3,7 Risikopunkte | 63 |
| 202 | Togo |
4,3 Risikopunkte | 57 |
| 203 | Deutschland |
4,4 Risikopunkte | 56 |
| 204 | Vereinigte Staaten |
4,5 Risikopunkte | 55 |
| 205 | Chile |
4,6 Risikopunkte | 54 |
| … | |||
| 229 | Niger |
7,8 Risikopunkte | 22 |
| 230 | Burkina Faso |
8,3 Risikopunkte | 17 |
| 231 | Pakistan |
8,6 Risikopunkte | 14 |












