Bezahlte Urlaubstage in Georgien

Georgien
60
24
Score / 100
#51
von 231 Ländern

Bezahlter Urlaub in Georgien

Gesetzlicher Anspruch: 24 Werktage

Artikel 23 des Labour Code of Georgia (საქართველოს შრომის კოდექსი) garantiert allen Arbeitnehmern einen bezahlten Jahresurlaub von 24 Werktagen – das sind bei einer Fünf-Tage-Woche knapp fünf Wochen. Zusätzlich besteht Anspruch auf bis zu 15 Tage unbezahlten Urlaub pro Jahr. Der Urlaubsanspruch entsteht nach 11 Monaten Betriebszugehörigkeit, anteilige Berechnung ist für kürzere Beschäftigungsverhältnisse vorgesehen. Im DACH-Vergleich liegt Georgien damit leicht über dem deutschen Minimum von 20 Werktagen (§ 3 BUrlG), auf dem Niveau des österreichischen Grundanspruchs von 25 Werktagen (§ 2 Urlaubsgesetz) und unter dem Schweizer Minimum von 20 Tagen (Art. 329a OR), wobei in der Schweiz tarifvertraglich oft 25–30 Tage üblich sind.

Praxis versus Rechtsanspruch

Die formalen 24 Tage klingen solide – die Realität weicht jedoch erheblich ab. Im privaten Sektor, besonders bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU, über 95 % aller georgischen Betriebe laut Geostat), wird der volle Urlaubsanspruch selten ausgeschöpft. Eine Erhebung des Caucasus Research Resource Centers (CRRC) von 2023 zeigte, dass nur 38 % der befragten Arbeitnehmer im Vorjahr ihren gesamten Urlaub genommen hatten. Gründe dafür sind impliziter Druck durch Vorgesetzte, Angst vor Arbeitsplatzverlust und fehlendes Bewusstsein für den eigenen Rechtsanspruch. In der Gastronomie und im Einzelhandel berichten Arbeitnehmer häufig von faktisch 10–14 Urlaubstagen pro Jahr. Im öffentlichen Dienst ist die Urlaubsnutzung besser – das Civil Service Bureau gibt an, dass Staatsbeamte im Durchschnitt 20–22 Tage tatsächlich nehmen. Internationale Unternehmen und NGOs in Tiflis bieten oft 24–28 Tage Urlaub und setzen deren Nutzung aktiv durch – hier ähnelt die Praxis westeuropäischen Standards.

Gesetzliche Feiertage als Ergänzung

Zu den 24 Urlaubstagen kommen 15 gesetzliche Feiertage, an denen grundsätzlich nicht gearbeitet werden muss. Fällt ein Feiertag auf einen Arbeitstag, wird er nicht vom Urlaubskontingent abgezogen. Wer an Feiertagen arbeiten muss (Gastronomie, Gesundheitswesen, Sicherheitsdienste), hat laut Labour Code Anspruch auf doppelte Vergütung oder einen Ersatzruhetag. Die Gesamtzahl von 24 Urlaubstagen plus 15 Feiertagen ergibt rechnerisch 39 arbeitsfreie Tage – auf dem Papier vergleichbar mit Deutschland (20 Urlaubstage + 9–13 Feiertage = 29–33 Tage) und Österreich (25 + 13 = 38 Tage).

Besondere Urlaubsregelungen

Der Labour Code sieht weitere Sonderurlaube vor: 730 Kalendertage Mutterschutz (davon 183 Tage bezahlt aus der staatlichen Sozialversicherung), 2 Tage Vaterschaftsurlaub (bezahlt) und bis zu 30 Tage Pflegeurlaub bei schwerer Erkrankung eines Familienangehörigen (unbezahlt). Der Mutterschutz wurde mit der Reform 2020 deutlich verbessert – zuvor gab es keinen bezahlten Vaterschaftsurlaub. Verglichen mit dem deutschen Mutterschutzgesetz (14 Wochen bei voller Lohnfortzahlung durch Arbeitgeber und Krankenkasse) ist die Struktur in Georgien großzügiger in der Dauer, aber die Kompensation mit 1.000 GEL monatlich (ca. 330 EUR) aus dem Staatshaushalt deutlich geringer.

Regionale Unterschiede in der Urlaubskultur

In Tiflis hat sich, besonders im wachsenden Technologie- und Startup-Sektor, eine Urlaubskultur entwickelt, die westeuropäischen Normen zunehmend ähnelt. Unternehmen wie die Bank of Georgia, TBC Bank und die IT-Firma Omedia bieten 24–30 Urlaubstage und fördern deren Nutzung. In ländlichen Regionen wie Kachetien, Samegrelo oder Samzche-Dschawachetien hat der Urlaubsbegriff für die überwiegend landwirtschaftlich Beschäftigten eine andere Bedeutung: Die Arbeit richtet sich nach dem Erntezyklus, nicht nach Urlaubskontingenten. Bauern nehmen sich frei, wenn keine Feldarbeit ansteht – formeller Urlaub existiert faktisch nicht. In Batumi zeigt sich ein saisonales Muster: Hotel- und Gastronomiebeschäftigte arbeiten von Mai bis September nahezu durchgehend und nehmen ihren Urlaub, wenn überhaupt, im Winter. Dieses Muster ähnelt der Saisonarbeit in österreichischen Skiorten, nur mit umgekehrtem Kalender.

Praxistipps für Auswanderer

Bei Vertragsverhandlungen den Urlaubsanspruch explizit im schriftlichen Arbeitsvertrag festhalten – mündliche Zusagen sind rechtlich schwer durchsetzbar. Wer bei einem georgischen KMU arbeitet, sollte den Urlaub frühzeitig beantragen und die Genehmigung schriftlich dokumentieren. Im Streitfall ist das Tifliser Stadtgericht (erste Instanz) zuständig, allerdings können Arbeitsrechtsverfahren 6–12 Monate dauern. Alternativ bietet die 2021 eingerichtete Mediation and Arbitration Service des Justizministeriums eine schnellere Streitbeilegung. Freiberufler und Selbständige – ein wachsender Anteil unter den ausländischen Zuzüglern – haben naturgemäß keinen gesetzlichen Urlaubsanspruch und müssen ihre Ausfallzeiten selbst kalkulieren.

Dieser Artikel wurde erstellt am 19. April 2026

Bezahlte Urlaubstage — Globales Ranking ↗

# Land Wert Score
1 Finnland 30 75
1 Burkina Faso 30 75
1 Mali 30 75
1 Malediven 30 75
1 Elfenbeinküste 30 75
51 Kasachstan 24 60
51 Mosambik 24 60
51 Georgien 24 60
51 Dschibuti 24 60
51 Tadschikistan 24 60
229 China 5 13
229 Philippinen 5 13
231 Vereinigte Staaten 0 1
← Zurück zu Georgien