Fremdenfeindlichkeit in Georgien

Georgien
32
Score / 100
#167
von 231 Ländern

Xenophobie in Georgien

Georgien hat eine kulturell ambivalente Beziehung zu Fremden. Die ausgeprägte Gastfreundschaftstradition (Stumari) steht neben ethnisch-nationalen Ressentiments, die historisch verankert sind und in bestimmten Gruppen aktiv gepflegt werden. Das Gesamtbild: keine strukturelle staatliche Xenophobie, aber gesellschaftliche Strömungen von Intoleranz gegenüber bestimmten Gruppen, die situativ sichtbar werden.

Nationalismus und ethnische Ressentiments

Georgiens Nationalismus ist historisch verständlich und komplex. Das Land hat seit 1991 bedeutende Teile seines Staatsgebiets (Abchasien, Südossetien) de facto verloren – russisch besetzt, von Russland als unabhängig anerkannt. Diese traumatischen Erfahrungen haben zu anti-russischen Ressentiments geführt, die nach dem August-Krieg 2008 und dem Ukraine-Krieg 2022 wieder stark aufflammten. Andere Ethnien – Armenier, Aserbaidschaner, Türken – werden je nach historischem Kontext unterschiedlich wahrgenommen.

Nationalistische Gruppen wie die Georgian March haben explizit xenophobe Positionen vertreten und Aktionen gegen Minderheiten (LGBTQ, religiöse Minderheiten, Ausländer mit sichtbarem Wohlstand) organisiert. Diese Gruppen sind in der Bevölkerung zahlenmäßig marginal, aber medienwirksam aktiv.

Alltagsxenophobie: Realität und Grenzen

Im Alltagsleben in Tiflis ist Xenophobie für die meisten Expats kein spürbares Problem:

  • Touristen und Expats aus westlichen Ländern werden grundsätzlich positiv wahrgenommen – wirtschaftliches Kapital, Tourismus-Nutzen und positives Imagepotenzial überwiegen eventuelle Ressentiments.
  • Personen aus bestimmten Regionen (arabischer Raum, bestimmte afrikanische Länder) berichten von mehr Aufmerksamkeit und gelegentlich abweisenden Reaktionen.
  • Außerhalb von Tiflis und Batumi nimmt die Erfahrung mit Ausländern und damit die Akzeptanz einer multikulturellen Realität ab.

Interethnische Spannungen innerhalb Georgiens

Wichtiger als Xenophobie gegenüber westlichen Expats sind interethnische Spannungen zwischen georgischen Ethnien und Minderheiten:

  • Armenier in Djavakheti berichten über Diskriminierung beim Zugang zu staatlichen Diensten und gesellschaftliche Marginalisation.
  • Aserbaidschaner in Kvemo Kartli haben ähnliche Erfahrungen; historische Eigentumsstreitigkeiten und unzureichende Repräsentation in der Verwaltung sind Quellen latenter Spannung.
  • Diese interethnischen Spannungen berühren typische westliche Expats kaum, zeigen aber das vollständigere Bild gesellschaftlicher Toleranzgrenzen.

Xenophobie-Monitoring

Das OSCE Office for Democratic Institutions and Human Rights (ODIHR) und der Council of Europe berichten regelmäßig über Hasskriminalität in Georgien und haben wiederholt auf Lücken in der staatlichen Verfolgung von hassbasierten Straftaten hingewiesen. Das georgische Innenministerium hat eine Hate Crime Unit eingerichtet, die Fälle erfasst und verfolgt, aber ihre Ressourcen sind begrenzt.

Fazit: Georgien ist kein xenophob geprägtes Land in dem Sinne, dass Ausländer systematisch schlecht behandelt werden. Die gesellschaftliche Grundhaltung ist gastfreundlich. Nationalistische und xenophobe Strömungen existieren aber in spezifischen Gruppen und können in bestimmten Kontexten sichtbar werden – besonders gegenüber Minderheitengruppen aus historisch belasteten Regionen.

Dieser Artikel wurde erstellt am 5. Mai 2026

Fremdenfeindlichkeit — Globales Ranking ↗

# Land Score
1 Kanada 95
2 Neuseeland 93
3 Andorra 92
3 Island 92
5 Australien 90
167 Marokko 32
167 Myanmar 32
167 Georgien 32
167 Dschibuti 32
182 Niger 30
224 Turkmenistan 10
230 Afghanistan 8
231 Nordkorea 5
← Zurück zu Georgien