Infektionskrankheiten in Georgien

Georgien
86
14
Score / 100
#69
von 231 Ländern

Infektionskrankheiten in Georgien

Der Indikator Infektionskrankheiten misst das Risiko und die Prävalenz übertragbarer Erkrankungen – von Hepatitis über Tuberkulose bis hin zu vektoriellen Krankheiten. Mit einem IHME-Composite-Risikowert von 14 (Skala 0–100) ist Georgien nach europäischen Maßstäben gut aufgestellt, auch wenn spezifische Risiken bekannt sind.

Hepatitis C: Ein bekanntes Spezialthema

Georgien war historisch bekannt für eine überdurchschnittlich hohe Hepatitis-C-Prävalenz (Schätzungen bis zu 7–8 % der Bevölkerung, WHO 2015). Seit 2015 führt Georgien als erstes Land weltweit ein nationales Hepatitis-C-Eliminationsprogramm durch, das von der CDC unterstützt wird und kostenlose DAA-Behandlungen (direkt antivirale Mittel) anbietet. Die Prävalenz ist seitdem deutlich zurückgegangen. Für Expats ist das bei normalem Lebensstil kein relevantes Risiko; Blut-übertragungsrouten (veraltete medizinische Geräte, Drogenkonsum) waren die historischen Hauptvektoren.

Tuberkulose

Georgien hat eine höhere TB-Inzidenz als Westeuropa (ca. 55–60 Fälle pro 100.000 Einwohner). Resistente TB-Formen (MDR-TB) kommen vor und werden im Rahmen internationaler Programme behandelt. Für die meisten Expats in Stadtgebieten ist das Risiko gering; bei engem Kontakt mit vulnerablen Gruppen (Gefängnisinsassen, Obdachlose) ist es erhöht. Die georgische Nationalagentur für Krankheitskontrolle (NCDC) betreibt ein aktives TB-Monitoring-Programm mit kostenloser Behandlung.

Vektorielle Erkrankungen und regionale Risiken

Tropische Erkrankungen wie Dengue stellen in Georgien kein relevantes Risiko dar. Ein minimales Malaria-Restrisiko existiert jedoch in wenigen spezifischen Regionen: vor allem im Kolchis-Tiefland (Westgeorgien, um Poti und Zugdidi) sowie im Batumi-Umland (Adscharien). Der Grund liegt in der Geografie: Das Kolchis-Tiefland ist eines der feuchtesten und sumpfigsten Gebiete des Kaukasus – die warmen, feuchten Sommer und die zahlreichen Flachwassergebiete bieten ideale Brutbedingungen für Anopheles-Mücken, den Überträger von Plasmodium vivax (die in dieser Region vorkommende, mildere Malaria-Art). Bis in die 1970er-Jahre war Malaria in diesen Gebieten endemisch; nach sowjetischen Auslöschungskampagnen galt sie als eliminiert. Sporadische lokale Übertragungen wurden jedoch in den 1990er- und 2000er-Jahren wieder registriert, bedingt durch den Zerfall der Sowjetinfrastruktur und reduzierte Mückenbekämpfungsmaßnahmen. Seit etwa 2015 sind keine lokalen Übertragungsfälle mehr dokumentiert. Für Kurzreisende und Expats in städtischen Lagen ist das Risiko praktisch null; Langzeitaufenthalte in den genannten ländlichen Tieflagen im Sommer rechtfertigen Standard-Mückenschutzmittel (DEET). Das Risiko für Zecken-übertragene Erkrankungen (FSME, Lyme-Borreliose) ist in Waldgebieten (Borjomi, Kakheti, Racha) von April bis Oktober moderat – bei häufigen Wanderungen ist ein FSME-Impfschutz sinnvoll.

Impfungen für Langzeitaufenthalte

Für Expats mit längerfristigem Aufenthalt werden folgende Impfungen empfohlen: Hepatitis A und B, Tetanus/Diphtherie, Masern-Mumps-Röteln (sofern kein vollständiger Impfschutz besteht) sowie FSME für Outdoor-Aktivitäten in Waldgebieten. Das georgische nationale Impfprogramm folgt WHO-Standards; Impfungen sind in Tbilisi in privaten Kliniken problemlos verfügbar, in ländlichen Regionen die Verfügbarkeit eingeschränkter.

Praktische Hinweise für den Alltag

Lebensmittelbedingte Erkrankungen (Reisedurchfall) kommen vor – insbesondere beim Verzehr von Rohkost aus unbekannten Quellen oder nicht gefiltertem Leitungswasser außerhalb Tbilisis. Leitungswasser in Tbilisi gilt als trinkbar; in ländlichen Regionen ist gefiltertes oder abgefülltes Wasser ratsam. Größere Ausbrüche außerhalb der normalen Influenzasaison sind selten; das Infektionsklima ist mit dem in Osteuropa vergleichbar.

Methodik: Wie kommt der Score zustande?

Rohwert: 14 (IHME Composite Risk Score, Skala 0–100) – 0 bedeutet kein Risiko, 100 extremes Risiko. Der Score berücksichtigt Malaria, Dengue, Typhoid, Cholera, Hepatitis A/E, Tuberkulose und weitere Erkrankungen, gewichtet nach DALYs (Disability-Adjusted Life Years). Der Indikatorwert wird invertiert: Ein niedriger Risikowert ergibt einen hohen Score.

Fazit: Ein IHME-Risikowert von 14 ist ein gutes Ergebnis für die Region. Hepatitis C als historisches Spezialthema ist durch das Eliminationsprogramm wesentlich entschärft; für Expats mit normalem Lebensstil ist das Infektionsrisiko in Georgien gering.

Quellen

Dieser Artikel wurde erstellt am 13. April 2026

Infektionskrankheiten — Globales Ranking ↗

# Land Wert Score
1 Finnland 3 97
1 Färöer 3 97
1 Island 3 97
4 Dänemark 4 96
4 Schweden 4 96
67 Armenien 13 87
69 Aserbaidschan 14 86
69 Georgien 14 86
71 Katar 15 85
71 Vereinigte Arabische Emirate 15 85
228 Südsudan 85 15
228 Somalia 85 15
231 Zentralafrikanische Republik 87 13
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