Religionsfreiheits-Index in Georgien
Religionsfreiheit in Georgien
Georgien verfügt formal über eine durch die Verfassung garantierte Religionsfreiheit. Mit einem Score von 55/100 befindet sich Georgien im mittleren Bereich – de jure frei, de facto aber durch das ausgeprägte Gewicht der Georgisch-Orthodoxen Kirche und historische Diskriminierungsvorfälle gegenüber Minderheiten komplex. Das Land hat eine der ältesten christlichen Traditionen der Welt (Bekehrung 337 n. Chr.) und eine religiöse Identität, die eng mit dem nationalen Selbstverständnis verknüpft ist.
Verfassungsrechtlicher Rahmen
Artikel 9 der georgischen Verfassung garantiert Religionsfreiheit als Grundrecht. Das 2005 verabschiedete Gesetz über die Freiheit des Gewissens und religiöse Vereinigungen schützt alle Religionsgemeinschaften und gibt ihnen das Recht auf Registrierung, Gottesdienst, religiöse Erziehung und öffentliche Aktivitäten. Die georgische Staatsreligion ist die Orthodoxe Kirche nicht – Georgien ist ein säkularer Staat, obwohl das Konkordat von 2002 der Georgisch-Orthodoxen Kirche besondere staatliche Privilegien einräumt (Steuerfreiheit, Bildungsrechte, kirchliche Einflüsse auf öffentliche Debatten).
Religiöse Demographie
Die religiöse Zusammensetzung Georgiens nach dem Zensus 2014 (aktuellste verfügbare Vollerhebung):
- Georgisch-Orthodoxe Christen: ca. 83,4 %
- Muslime: ca. 10,7 % (hauptsächlich Aserbaidschaner in Kvemo Kartli und sunnitische Adjaren)
- Armenisch-Apostolische Christen: ca. 2,9 %
- Andere christliche Gruppen (Katholiken, Protestanten, Zeugen Jehovas): zusammen ca. 1,5 %
- Keine Religion / atheistisch: ca. 1,2 %
Die Dominanz der Georgisch-Orthodoxen Kirche
Die Georgisch-Orthodoxe Kirche (GOC) unter Patriarch Ilia II. (seit 1977 im Amt) genießt eine gesellschaftliche Autorität, die über religiöse Fragen hinausgeht. Der Patriarch hat regelmäßig zu politischen Entwicklungen Stellung genommen, einschließlich zu Fragen von Homosexualität, EU-Integration und gesellschaftlichem Wandel. Laut CRRC Caucasus Barometer (2023) haben rund 83 % der Georgier Vertrauen in die Kirche – ein höherer Wert als das Vertrauen in Parlament, Regierung oder Justiz.
Diese gesellschaftliche Stellung schlägt sich in konkreter Dominanz nieder: Religiöse Minderheiten berichten über soziale Ausgrenzung, gelegentliche Diskriminierung beim Zugang zu öffentlichen Leistungen und sozialen Druck. Besonders Zeugen Jehovas und evangelikale Christen wurden in den 2000er-Jahren Opfer organisierter gewalttätiger Übergriffe durch den (inzwischen verurteilten) Priester Basil Mkalavishvili, dessen Aktionen die schwerwiegendste Verletzung der Religionsfreiheit in Georgiens Geschichte nach 1991 darstellten.
Verbesserungen der letzten zwei Jahrzehnte
Seit 2004 hat Georgien erhebliche Fortschritte bei der rechtlichen Institutionalisierung der Religionsfreiheit gemacht. Die strafrechtliche Verfolgung und Verurteilung von Mkalavishvili (2004, sieben Jahre Haft) war ein wichtiges Signal. Das State Agency on Religious Issues (gegründet 2014) vermittelt zwischen Religionsgemeinschaften und staatlichen Institutionen. Registrierungsverfahren für Minderheitenreligionen wurden vereinfacht.
Für Expats praktisch relevant
Für ausländische Zuzügler ist Religionsfreiheit im Alltag kaum ein praktisches Problem – Andersreligiöse und Atheisten werden nicht verfolgt oder diskriminiert. Muslimische Expats sollten die begrenzte Verfügbarkeit von Halal-Lebensmitteln außerhalb der muslimisch geprägten Regionen beachten. Synagogen (Jüdische Gemeinde in Tiflis hat eine lange Geschichte) und armenische Kirchen sind vorhanden. Wer öffentlich nicht-orthodoxe Religionszugehörigkeit zeigt, wird in ländlichen Gebieten gelegentlich auf Unverständnis treffen.
Fazit: Georgien ist kein repressiver Staat in Bezug auf Religionsfreiheit – die formalen Garantien sind solide. Die faktische gesellschaftliche Dominanz der Orthodoxen Kirche schafft aber ein Umfeld, in dem religiöse Minderheiten mit sozialem Druck und gelegentlicher Diskriminierung konfrontiert sein können. Der Score von 55/100 spiegelt diese Ambivalenz korrekt wider.
Dieser Artikel wurde erstellt am 5. Mai 2026
Religionsfreiheits-Index — Globales Ranking ↗
| # | Land | Wert | Score |
|---|---|---|---|
| 1 | Finnland |
92 | 91 |
| 1 | Dänemark |
92 | 91 |
| 1 | Estland |
92 | 91 |
| 1 | Schweden |
92 | 91 |
| 1 | Norwegen |
92 | 91 |
| … | |||
| 147 | Ungarn |
55 | 55 |
| 147 | Samoa |
55 | 55 |
| 147 | Georgien |
55 | 55 |
| 147 | Armenien |
55 | 55 |
| 147 | Tonga |
55 | 55 |
| … | |||
| 226 | Iran |
5 | 6 |
| 230 | Afghanistan |
3 | 4 |
| 231 | Nordkorea |
2 | 3 |












