Säkularisierungsgrad in Georgien

Georgien
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von 231 Ländern

Säkularisierungsgrad in Georgien

Georgien ist eines der religiösesten Länder Europas. Mit einem Score von 35/100 für Säkularisierung – also einem niedrigen Wert, der hohe Religiosität signalisiert – steht Georgien im starken Kontrast zu westeuropäischen Gesellschaften. Religion ist in Georgien nicht nur privater Glaube, sondern nationaler Identitätskern, kulturelles Erbe und politische Kraft. Das Verständnis dieser tiefen Religiosität ist für jeden relevant, der längere Zeit in Georgien lebt.

Religion als nationales Identitätsmerkmal

Georgien wurde 337 n. Chr. zum zweiten christlichen Königreich der Welt (nach Armenien 301 n. Chr.). Die Heilige Nino, eine Missionarin aus Kappadokien, gilt als Heilige der georgischen Kirche und nationalen Heldin. Diese fast 1.700-jährige christliche Tradition hat die georgische Identität tiefgreifend geformt: Georgisch-Sein und Orthodox-Sein sind für viele Georgier untrennbar verbunden.

Laut Caucasus Barometer 2023 (CRRC) bezeichnen sich 84 % der Georgier als sehr religiös oder ziemlich religiös. Rund 70 % gehen mindestens einmal im Monat in die Kirche; rund 40 % praktizieren wöchentlich. Diese Zahlen übersteigen selbst sehr religiöse EU-Länder wie Polen deutlich.

Kirchliche Präsenz im Alltag

Die Georgisch-Orthodoxe Kirche ist im städtischen wie ländlichen Leben allgegenwärtig:

  • Religionsunterricht in Schulen: Orthodoxe Religionskunde ist seit 2005 an staatlichen Schulen als optionales Fach eingeführt, wird aber in vielen Schulen faktisch als Pflichtfach behandelt.
  • Kirchliche Feiertage als Staatsfeiertage: Georgi-Tag (23. November), Marienmenschwerdung (28. August), Weihnachten (7. Januar nach Julianischem Kalender) sind Staatsfeiertage. Der Feiertag am 9. April gedenkt zugleich dem Blutsonntag 1989 und ist quasi-religiös geprägt.
  • Patriarch als öffentliche Figur: Patriarch Ilia II. ist die meistrespektierte öffentliche Persönlichkeit Georgiens; seine Neujahrsbotschaften werden live übertragen. Religiöse Stellungnahmen der Kirche zu gesellschaftlichen Fragen erhalten breitere Berichterstattung als parlamentarische Debatten.

Säkularisierungstendenzen bei der Jugend

Trotz hoher Gesamtreligiosität gibt es Säkularisierungstendenzen, besonders in der urbanen Jugend Tiflisʼ:

  • Die Altersgruppe 18–35 in Tiflis zeigt deutlich weniger kirchliche Praxis als die Generation 50+. Rund 45 % der urbanen Jugend gibt an, seltener als monatlich in die Kirche zu gehen (CRRC 2023).
  • Akademische Kreise und internationalisierte Berufsgruppen (IT, NGO, Medien) sind deutlich weniger religiös als der Durchschnitt.
  • Das Thema Homosexualität – wo Kirche und junge Urbane am schärfsten divergieren – ist ein Indikator für die wachsende Spannung zwischen kirchlicher Orthodoxie und urbanem Liberalismus.

Für Expats relevant

Die hohe Religiosität Georgiens hat konkrete Alltagsimplikationen für Zuzügler:

  • Religiöse Feiertage sind real: An Weihnachten (7. Januar), Ostern und wichtigen orthodoxen Feiertagen ist das öffentliche Leben eingeschränkt.
  • Kirchenbesuche und religiöse Zeremonien (Taufen, Hochzeiten, Trauerfeiern) sind wichtige soziale Events – Einladungen sollte man als Ehre verstehen.
  • Das Kleidungskodex für Kirchenbesuche: Frauen mit Kopftuch und Rok, Männer ohne Mütze – wird streng eingehalten.
  • Nichtorthodoxe, Agnostiker und Atheisten begegnen in Georgien typischerweise einer Mehrheitsgesellschaft, die Religion als Selbstverständlichkeit betrachtet. Das führt selten zu Konflikten, aber gelegentlich zu Unverständnis.

Fazit: Georgien ist eine tief religiöse Gesellschaft, in der die Orthodoxe Kirche eine außergewöhnlich starke kulturelle und soziale Stellung hat. Für Expats, die aus säkularen westeuropäischen Gesellschaften kommen, ist das eine der größten kulturellen Umstellungen. Es erfordert Toleranz und kulturelles Verständnis – Religionskritik wird als Angriff auf die nationale Identität empfunden.

Dieser Artikel wurde erstellt am 5. Mai 2026

Säkularisierungsgrad — Globales Ranking ↗

# Land Wert Score
1 Tschechien 88 87
2 Estland 85 84
2 Schweden 85 84
4 Finnland 82 81
4 Dänemark 82 81
136 Honduras 35 35
136 Amerikanisch-Samoa 35 35
136 Georgien 35 35
136 Armenien 35 35
136 Haiti 35 35
228 Somalia 5 6
228 Saudi-Arabien 5 6
228 Afghanistan 5 6
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