Tierschutzgesetze in Georgien

Georgien
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Tierschutzgesetzgebung und Durchsetzung in Georgien

Georgiens Tierschutzrecht hat in den letzten Jahren einen Paradigmenwechsel erfahren. Mit dem im März 2022 verabschiedeten Law on Animal Welfare (საქართველოს კანონი ცხოველთა კეთილდღეობის შესახებ) erhielt das Land erstmals ein eigenständiges, umfassendes Tierschutzgesetz. Zuvor existierten lediglich fragmentarische Bestimmungen im Administrative Offences Code und vereinzelte Artikel im Strafgesetzbuch, die Tierquälerei unter Strafe stellten – jedoch mit so niedrigen Strafmaßen, dass sie praktisch keine Abschreckungswirkung entfalteten. Die Kluft zwischen Gesetzestext und Realität bleibt indes eine der größten Herausforderungen.

Das Tierschutzgesetz von 2022 – Kerninhalte

Das Gesetz wurde vom georgischen Parlament nach jahrelangem Lobbying durch NGOs wie Animal Friends Georgia, die Georgian Society for the Prevention of Cruelty to Animals (GSPCA) und internationale Organisationen wie FOUR PAWS International verabschiedet. Die zentralen Regelungen umfassen:

  • Verbot von Tierquälerei: Strafen von 500–2.000 GEL (175–700 EUR) bei Erstverstoß, bei Wiederholung bis zu 5.000 GEL (1.750 EUR) oder Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren gemäß Artikel 259 des Strafgesetzbuchs.
  • Mindeststandards für die Tierhaltung: Vorschriften zu Platzbedarf, Zugang zu Wasser und Futter, Schutz vor extremen Witterungsbedingungen. Genaue Quadratmeterzahlen werden in einer Durchführungsverordnung geregelt, die das Umweltministerium bis Ende 2023 erlassen sollte – die Veröffentlichung steht bis April 2026 noch aus.
  • Mikrochip- und Registrierungspflicht: Alle Hunde und Katzen müssen mit einem ISO-konformen Mikrochip versehen und in der nationalen Datenbank PetRegister.ge registriert werden. Die Umsetzung erfolgt schrittweise; bis 2025 waren laut NFA-Angaben erst ca. 85.000 Tiere registriert – bei geschätzten 300.000–400.000 Haushunden landesweit eine Quote von unter 25 %.
  • Verbot von Hundekämpfen und Hahnenkämpfen: Explizit kriminalisiert mit Geldstrafen bis 3.000 GEL und Konfiszierung der Tiere.
  • Regulierung des Tierhandels: Zuchtbetriebe und Tierhandlungen müssen sich bei der NFA registrieren. Straßenverkauf von Tieren ist verboten.

Vergleich mit der DACH-Tierschutzgesetzgebung

Das deutsche Tierschutzgesetz (TierSchG), zuletzt geändert 2022, und die Schweizer Tierschutzverordnung (TSchV) gelten als die strengsten in Europa. Im Vergleich:

  • Deutschland: Tierschutz seit 2002 als Staatsziel im Grundgesetz (Art. 20a GG) verankert. Strafrahmen bei Tierquälerei: bis zu 3 Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe – ähnlich dem georgischen Rahmen, aber mit deutlich höherer Durchsetzungsrate.
  • Schweiz: Die TSchV schreibt detaillierte Haltungsanforderungen vor (z. B. 10 m² Mindestfläche für Hunde über 20 kg). Georgien hat vergleichbare Absichten, aber die Durchführungsverordnung fehlt noch.
  • Österreich: Das Bundestierschutzgesetz (TSchG) von 2004 verbietet u. a. die Anbindehaltung von Hunden und die Amputation von Ohren und Ruten – Praktiken, die in Georgien noch vorkommen, insbesondere bei Kangal- und Kaukasischen Schäferhunden in ländlichen Gebieten.

Das Streunertier-Problem – Tiflis als Brennpunkt

Geschätzte 50.000 bis 100.000 Straßenhunde leben allein in der Hauptstadt Tiflis – eine der höchsten Streunerquoten aller europäischen Hauptstädte. Die Situation resultiert aus Jahrzehnten fehlender Kastrationsprogramme, dem Aussetzen von Haustieren und einer Kultur, in der Straßenhunde traditionell toleriert und teils gefüttert werden. Die Tbilisi City Hall betreibt seit 2018 ein TNVR-Programm (Trap-Neuter-Vaccinate-Return) in Zusammenarbeit mit dem Tifliser Veterinärdienst. Ergebnisse:

  • 2018–2025: Rund 40.000 Hunde kastriert und geimpft (Tollwut, Leptospirose).
  • Kastrierte Hunde werden mit einem gelben Ohrclip markiert.
  • Budget 2025: 2,8 Mio. GEL (ca. 980.000 EUR) – ein Bruchteil dessen, was vergleichbare Programme in Istanbul (10 Mio. USD/Jahr) oder Bukarest (5 Mio. EUR/Jahr) kosten.

In Batumi wurde 2021 ein eigenes TNVR-Programm gestartet, finanziert von der Autonomen Republik Adscharien. In Kutaissi und kleineren Städten gibt es keine systematischen Programme – hier übernehmen NGOs wie die GSPCA sporadisch Kastrations-Aktionen.

Hundekämpfe – verboten, aber nicht verschwunden

Traditionelle Hundekämpfe mit Kaukasischen Owtscharkas und Kangal-Hunden haben in einigen ländlichen Regionen – insbesondere in Kachetien und Niederkartlien – eine lange Tradition. Trotz des Verbots seit 2022 berichten NGOs von fortgesetzter Aktivität. Die Patrol Police des georgischen Innenministeriums hat 2024 laut eigenen Angaben 12 Fälle aufgedeckt und 35 Personen angezeigt – bei einer vermuteten Dunkelziffer, die um ein Vielfaches höher liegt. Animal Friends Georgia dokumentiert jährlich 30–50 Hinweise auf illegale Kämpfe, die an die Behörden weitergeleitet werden.

Durchsetzung – die Achillesferse

Das größte Defizit des georgischen Tierschutzes ist die mangelhafte Durchsetzung. Es gibt keine spezialisierte Tierschutzpolizei (im Gegensatz zu den Niederlanden mit ihrer Dierenpolitie oder der Schweizer Tierpolizei in einigen Kantonen). Die Zuständigkeit für Tierschutzverstöße liegt bei der NFA und der allgemeinen Polizei, die weder die Kapazitäten noch die Ausbildung für systematische Kontrollen haben. Laut einem Bericht der GSPCA aus dem Jahr 2024 wurden von 350 gemeldeten Tierschutzverstößen nur 42 (12 %) tatsächlich sanktioniert. Die Gründe: Beweisschwierigkeiten, fehlende Kontrollressourcen und in ländlichen Gebieten eine kulturelle Akzeptanz von Praktiken wie permanenter Kettenhaltung.

Ausblick

Die georgische Regierung hat im Rahmen des EU-Assoziierungsabkommens (DCFTA) zugesagt, ihr Tierschutzrecht an europäische Standards anzupassen. Ein Aktionsplan des Umweltministeriums sieht bis 2028 die Einführung einer Tierschutzinspektion, die Vollendung der Durchführungsverordnungen zum Tierschutzgesetz und den Ausbau der TNVR-Programme auf alle Städte mit über 50.000 Einwohnern vor. Ob diese Ziele erreicht werden, hängt maßgeblich von der politischen Prioritätensetzung und der Mittelzuweisung ab. Für Tierhalter, die nach Georgien ziehen, bedeutet das: Die rechtliche Grundlage ist vorhanden, die Praxis hinkt jedoch noch deutlich hinterher.

Dieser Artikel wurde erstellt am 19. April 2026

Tierschutzgesetze — Globales Ranking ↗

# Land Wert Score
1 Dänemark 90 89
1 Schweden 90 89
1 Norwegen 90 89
4 England 88 87
4 Finnland 88 87
96 Jamaika 45 45
96 Dominikanische Republik 45 45
96 Georgien 45 45
96 Türkei 45 45
96 Guatemala 45 45
228 Somalia 5 6
228 Nordkorea 5 6
228 Afghanistan 5 6
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