Waldbedeckung in Georgien

Georgien
50
40 %
Score / 100
#72
von 231 Ländern

Waldbedeckung in Georgien

Der Indikator Waldbedeckung misst den prozentualen Anteil der Landfläche, die von Wald bewachsen ist. Er dient als Indikator für ökologische Stabilität, Biodiversität, Klimaresilienz und die Qualität natürlicher Erholungsräume. Für Georgien weist die Datenbank einen Score von 50/100 und einen Rohwert von 40 % Waldbedeckung aus. Das entspricht einer Waldfläche von etwa 2,8 Millionen Hektar (ca. 28.000 km²) bei einer Gesamtstaatsfläche von rund 69.700 km². Damit liegt Georgien im globalen Mittelfeld, ist aber innerhalb der Kaukasus-Region eines der waldreichsten Länder.

Für Expats und digitale Nomaden ist dieser Wert weit mehr als eine forstwirtschaftliche Kennzahl. Er beschreibt die Kulisse, in der das Leben in Georgien außerhalb der Städte stattfindet. Eine hohe Waldbedeckung bedeutet Zugang zu Wandergebieten, kühlere Mikroklimate in heißen Sommern, Schutz vor Erosion in Gebirgsregionen und eine reiche Flora und Fauna, die Georgien zu einem der bedeutendsten Biodiversitäts-Hotspots der nördlichen Hemisphäre macht. Wer in Georgien lebt, wohnt in einem Land, das fast zur Hälfte von Wald bedeckt ist – ein Umstand, der die Luftqualität und das Freizeitpotenzial massiv prägt. In den folgenden Abschnitten werden wir die rechtlichen, ökologischen und praktischen Dimensionen dieses Wertes detailliert beleuchten.

Die Struktur des georgischen Waldes: Vertikalität und Vielfalt

Eine Besonderheit der georgischen Waldbedeckung ist ihre enorme vertikale Diversität. Da Georgien ein ausgeprägtes Gebirgsland ist, verteilen sich die Wälder über verschiedene Höhenstufen, was zu völlig unterschiedlichen Waldökosystemen auf engstem Raum führt. Rund 98 % der georgischen Wälder befinden sich in Hanglagen, was ihre Bedeutung für den Bodenschutz (Erosionsschutz) extrem erhöht. Nur ein minimaler Teil der Wälder liegt in der Ebene, etwa im Alazani-Becken in Kakheti oder in den Küstenniederungen von Kolchis. Diese geografische Verteilung erklärt auch, warum der Wald in Georgien oft als „vertikaler Garten“ wahrgenommen wird, der sich von den Tälern bis zu den schneebedeckten Gipfeln hochzieht.

In den niedrigeren Lagen bis etwa 600 Metern dominieren Laubmischwälder mit Eichen, Eschen und Ahorn. In den mittleren Gebirgslagen (600–1.800 Meter) finden sich die ausgedehnten Buchenwälder, die einen Großteil der forstwirtschaftlichen Biomasse ausmachen. Darüber, bis zur Waldgrenze bei etwa 2.200 bis 2.400 Metern, folgen Nadelwälder mit Kaukasus-Fichten und Nordmann-Tannen. Diese vertikale Schichtung sorgt dafür, dass Georgien trotz seiner geringen Fläche eine enorme Bandbreite an Waldtypen beherbergt, die von subtropischen Regenwäldern an der Küste bis zu subalpinen Nadelwäldern im Hochgebirge reicht. Die Nordmann-Tanne beispielsweise, die in Europa als beliebtester Weihnachtsbaum bekannt ist, hat in den georgischen Bergwäldern ihre Heimat.

Für Naturliebhaber bedeutet das: Georgien bietet Waldlandschaften, die in dieser Dichte und Ursprünglichkeit in Westeuropa kaum noch zu finden sind. Viele dieser Gebiete sind zudem als Schutzgebiete ausgewiesen, was die langfristige Sicherung der Waldbedeckung unterstützt. Die Nationalparks Borjomi-Kharagauli, Kazbegi und Lagodekhi sind prominente Beispiele für Regionen, in denen die Waldbedeckung fast lückenlos und ökologisch intakt ist. Wer hier wandert, erlebt den Wald nicht als bewirtschaftete Monokultur, sondern als komplexes, oft jahrhundertealtes Ökosystem.

Der Kolchische Regenwald: UNESCO-Welterbe und ökologisches Juwel

Ein herausragendes Element der georgischen Waldbedeckung ist der Kolchische Regenwald in Westgeorgien. Seit 2021 gehören Teile dieser Wälder und Feuchtgebiete zum UNESCO-Weltnaturerbe. Es handelt sich um temperierte Regenwälder, die während der Eiszeiten als Refugium dienten und daher Arten beherbergen, die anderswo längst ausgestorben sind. Diese Wälder zeichnen sich durch eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit, dichten Bewuchs und eine enorme Vielfalt an endemischen Pflanzen aus. Der Score von 50/100 spiegelt zwar den landesweiten Durchschnitt wider, in diesen speziellen Küstenwäldern liegt die Qualität der Waldbedeckung jedoch weit über dem internationalen Standard.

Die Bedeutung des Kolchischen Regenwaldes für den Landeswert von 40 % Waldbedeckung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Während in vielen Teilen der Welt Urwälder verschwinden, verfügt Georgien hier über einen Bestand, der in seiner Kontinuität über Millionen von Jahren einzigartig ist. Für Expats in Batumi oder Poti liegen diese urzeitlichen Wälder (wie im Mtirala Nationalpark) direkt vor der Haustür. Sie prägen das regionale Klima durch hohe Niederschlagsraten und bieten ein Naturerlebnis, das weit über normale "Forstflächen" hinausgeht. Man kann dort durch Wälder laufen, die so grün und dicht sind, dass sie fast wie tropischer Dschungel wirken, obwohl sie sich in einer gemäßigten Klimazone befinden.

Die Anerkennung als UNESCO-Welterbe hat zudem praktische Auswirkungen auf den Schutzstatus: Die georgische Regierung ist international verpflichtet, diese Bestände zu erhalten und illegale Nutzungen zu unterbinden. Dies stärkt die langfristige Stabilität der Waldbedeckung in einem der ökologisch wertvollsten Teile des Landes. Es ist zu erwarten, dass gerade in diesen Regionen die Waldbedeckung in den kommenden Jahrzehnten nicht nur stabil bleibt, sondern durch strengere Schutzmaßnahmen in ihrer ökologischen Qualität weiter zunimmt.

Herausforderungen für die Waldbeschaffenheit in Georgien

Obwohl 40 % Waldbedeckung ein solider Wert ist, gibt es qualitative und strukturelle Herausforderungen. Die georgischen Wälder werden stark durch menschliche Aktivitäten beeinflusst, auch wenn sie oft urwüchsig erscheinen. Die wichtigste Herausforderung ist die Degradierung: Viele Wälder, die statistisch als "bedeckt" gelten, haben an Dichte und ökologischer Qualität verloren. Dies geschieht vor allem durch unkontrollierte Viehweide in Waldgebieten, die den Jungwuchs zerstört, sowie durch die Entnahme von Brennholz in armen ländlichen Regionen. Diese schleichende Reduktion der Qualität wird von reinen Prozentzahlen oft nicht vollständig abgebildet.

Besonders in den 1990er und frühen 2000er Jahren litt Georgien unter massivem illegalem Holzeinschlag aufgrund von Energieknappheit. Viele Waldränder in der Nähe von Dörfern wurden damals stark ausgedünnt. Obwohl sich die Energieversorgung stabilisiert hat, bleibt das "Sammeln von Totholz" oder die kleinteilige illegale Entnahme in abgelegenen Gebieten ein Faktor, der die statistische Waldbedeckung zwar nicht sofort senkt, aber die Vitalität der Bestände mindert. Die georgische Forstbehörde (National Forestry Agency) hat die Überwachung in den letzten Jahren durch moderne Drohnentechnologie und verstärkte Patrouillen deutlich verbessert, um dem entgegenzuwirken.

Ein weiteres Thema ist die Fragmentierung durch Infrastrukturprojekte. Der Ausbau von Stromtrassen, neuen Straßen (wie der Ost-West-Autobahn oder Tunnelprojekten im Norden) und touristischen Resorts führt lokal zu punktueller Entwaldung. Georgien versucht dies durch Aufforstungsprogramme auszugleichen, doch das Pflanzen junger Bäume kann den Verlust alter, funktionaler Ökosysteme nur verzögert kompensieren. Expats sollten daher wissen, dass die 40 % Waldbedeckung ein dynamischer Wert sind, der aktiven Schutz erfordert und keinesfalls als selbstverständlich hingenommen werden darf.

Forstwirtschaft und der neue Forstkodex von 2020

Georgien hat im Jahr 2020 einen neuen Forstkodex verabschiedet, der eine grundlegende Reform der Waldnutzung einleitet. Ziel ist es, von einer rein extraktiven Logik zu einem nachhaltigen, multifunktionalen Waldmanagement überzugehen. Der Kodex stärkt die Rolle der Gemeinden beim Waldschutz und schafft klare Regeln für die Nutzung von Nicht-Holz-Waldprodukten (wie Pilzen, Beeren und Heilkräutern), was für die ländliche Wirtschaft Georgiens von großer Bedeutung ist. Dieser Gesetzgebungsprozess war ein wichtiger Meilenstein, um den Score des Landes langfristig abzusichern.

Für den Waldbestand bedeutet dieser neue rechtliche Rahmen mehr Sicherheit. Er erschwert willkürliche Umwandlungen von Waldflächen in Bauland und führt Zertifizierungssysteme ein. Langfristig soll dies dazu beitragen, den Rohwert der Waldbedeckung stabil bei etwa 40 % zu halten oder sogar leicht zu steigern. Für Investoren oder Auswanderer, die Grundstücke in Waldnähe erwerben wollen, bedeutet der neue Kodex aber auch strengere Auflagen: Wald bleibt in Georgien überwiegend Staatseigentum, und Eingriffe in geschützte Bestände werden inzwischen konsequenter geahndet als früher. Eine Genehmigung für Rodungen auf privatem Grund in Waldrandlagen ist heute wesentlich schwerer zu erhalten als noch vor einem Jahrzehnt.

Die Forstwirtschaft selbst ist in Georgien kein dominanter Industriezweig wie in Skandinavien oder Kanada. Der Fokus liegt stärker auf der Schutzfunktion (Erosion, Wasserhaushalt) und auf dem Tourismus. Wer durch die georgischen Wälder wandert, wird daher seltener auf riesige Kahlschläge treffen, dafür aber häufiger auf naturnahe Bestände, die allerdings forstwirtschaftlich oft "untergenutzt" im Sinne klassischer Holzerträge sind. Das Fehlen einer massiven Holzindustrie hat somit indirekt zum Erhalt der hohen Bewaldungsrate beigetragen, da der wirtschaftliche Druck auf die Flächen geringer war als in anderen waldreichen Nationen.

Bedeutung für das Stadtklima und die Luftqualität der Metropolen

Die Waldbedeckung in der direkten Umgebung der Städte spielt eine entscheidende Rolle für die Lebensqualität der Bewohner. In Tbilisi sind die umliegenden Hügelketten (wie der Mtatsminda-Park, das Gebiet um den Schildkrötensee Turtle Lake oder die Wälder oberhalb von Vake) grüne Lungen, die im Sommer als Abkühlungszonen dienen. In den letzten Jahren gab es Programme zur Wiederaufforstung der Hänge rund um die Hauptstadt, um die Staubbelastung zu senken und die Stadt landschaftlich aufzuwerten. Diese suburbanen Wälder sind ein wichtiger Faktor für den lokalklimatischen Ausgleich in der oft staubigen und heißen Kesselsituation Tbilisis.

Allerdings ist Tbilisi auch ein Beispiel für die Schattenseiten: In der Vergangenheit wurden Waldflächen am Stadtrand für informelle Siedlungen oder schnelle Bauprojekte geopfert. Die Bürgerbewegungen zum Schutz der Stadtwälder (wie etwa um den Vake-Park oder die Hügel von Saburtalo) sind in Georgien sehr aktiv und zeigen, dass die Bevölkerung den Wert der Waldbedeckung für ihr lokales Klima verstanden hat. Für digitale Nomaden, die oft in den grüneren Bezirken Tbilisis suchen, ist die Nähe zu diesen geschützten Waldhängen ein massiver Pluspunkt für die Wohnqualität und ein wichtiger Grund, sich für bestimmte Stadtteile zu entscheiden.

Auch in anderen Städten wie Borjomi oder Abastumani ist der Wald die direkte Existenzgrundlage. Diese Orte sind als Luftkurorte weltberühmt – eine Tradition, die bis in die Zarenzeit zurückreicht. Die dortige Kiefernbewaldung und die spezielle Emission von Phytonziden (natürliche Antibiotika der Bäume) machen diese Gebiete zu Zentren für Rehabilitation und Gesundheitstourismus. Hier ist die Waldbedeckung nicht nur Natur, sondern ein direkter ökonomischer Asset, dessen Erhalt oberste Priorität genießt. Wer in diesen Regionen lebt, profitiert von einer Luftqualität, die zu den besten des gesamten eurasischen Kontinents gehört.

Regionale Unterschiede der Bewaldung innerhalb Georgiens

Georgiens 40 % Waldbedeckung verteilen sich sehr ungleich über das Land. Westgeorgien ist das Kraftzentrum des Waldes: Regionen wie Racha, Samegrelo, Guria und Adjara weisen stellenweise Bewaldungsraten von über 60 % auf. Hier sind die Niederschläge hoch, das Gelände steil und die Besiedlung in den höheren Lagen dünn. Wer totale Waldeinsamkeit sucht, findet sie in den tiefen Tälern von Racha oder in den dichten Bergwäldern von Adjara, wo der Wald bis fast an die Meeresküste heranreicht.

Ostgeorgien ist dagegen deutlich trockener. In der Region Kakheti findet man zwar auch große Waldgebiete an den Hängen des Kaukasus, aber die Ebenen sind weitgehend waldfrei und landwirtschaftlich (insbesondere für den Weinbau) genutzt. Die Steppen- und Halbwüstengebiete im Südosten, nahe der Grenze zu Aserbaidschan, haben so gut wie keine natürliche Waldbedeckung. Hier sinkt der lokale Wert drastisch. Expats sollten dies bei der Wahl ihres Standorts berücksichtigen: Wer die unmittelbare Waldnähe als Lebensqualitätsfaktor braucht, ist in Westgeorgien oder in den Gebirgslagen entlang des Kaukasus-Hauptkamms wesentlich besser aufgehoben als in den trockenen Ebenen des Ostens.

Die Autonome Republik Abchasien (völkerrechtlich Georgien, faktisch unter russischer Kontrolle) gehört statistisch zu den waldreichsten Regionen des gesamten Landes, mit Werten weit über dem Landesdurchschnitt. Da diese Gebiete für normale Bewohner und Expats jedoch derzeit kaum zugänglich sind, bleibt dieser Teil der statistischen Waldbedeckung für den praktischen Alltag irrelevant. Dennoch fließt er in den Gesamtwert von 40 % ein und erklärt einen Teil der hohen Bewertung im internationalen Vergleich.

Ökologische Schutzgebiete und ihre Rolle für den Waldbestand

Georgien hat ein weitreichendes System von geschützten Gebieten aufgebaut, das entscheidend zum Erhalt der 40 % Waldbedeckung beiträgt. Rund 12 % der Landesfläche stehen unter Schutz, ein Großteil davon ist bewaldet. Die Agency of Protected Areas (APA) verwaltet diese Zonen und sorgt dafür, dass forstwirtschaftliche Nutzung dort entweder gar nicht oder nur sehr eingeschränkt stattfindet. Dies garantiert, dass Georgien über große zusammenhängende Waldgebiete verfügt, in denen natürliche Prozesse ohne menschlichen Eingriff ablaufen können.

Für Expats sind diese Schutzgebiete die wichtigsten Tore zum Wald. In Nationalparks wie dem Borjomi-Kharagauli Nationalpark kann man auf Hunderten Kilometern markierter Wege wandern, ohne den Wald zu verlassen. Diese Gebiete dienen nicht nur dem Naturschutz, sondern sind auch wichtig für den Wasserhaushalt des Landes. Viele der berühmten georgischen Mineralwasserquellen (wie Borjomi) hängen direkt von der intakten Waldbedeckung ihrer Einzugsgebiete ab, die das Wasser filtern und den Boden stabilisieren. Wer Georgien wegen seines sauberen Quellwassers schätzt, profitiert indirekt von der hohen Waldbedeckung.

Darüber hinaus sind diese Wälder Rückzugsgebiete für seltene Tierarten wie den Braunbären, den Wolf und den Kaukasus-Luchs. Sogar der extrem seltene Kaukasus-Leopard wird gelegentlich in den abgelegenen Bergwäldern an der Grenze zu Aserbaidschan gesichtet. Das Vorhandensein solcher Großraubtiere ist ein sicheres Indiz für die ökologische Qualität und die ausreichende Größe der Waldflächen. In einem Land mit geringerer Waldbedeckung fänden diese Arten nicht genügend Lebensraum und Beute, um dauerhaft zu überleben.

Der Wald als Wirtschaftsfaktor jenseits des Holzes

In Georgien wird der Wald zunehmend als Quelle für "Nicht-Holz-Produkte" entdeckt, was einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource fördert. Die Ernte von essbaren Waldprodukten hat eine lange Tradition und ist in vielen ländlichen Regionen eine wichtige Einkommensquelle. Walnüsse, Haselnüsse, Kastanien sowie eine Vielzahl von Beeren und Wildpilzen werden in großen Mengen in den georgischen Wäldern gesammelt. Da diese Ernteform den Baumbestand nicht schädigt, bietet sie eine wirtschaftliche Alternative zur Abholzung und schafft bei der Lokalbevölkerung einen Anreiz, die Waldbedeckung zu erhalten.

Zudem gewinnt der Ökotourismus massiv an Bedeutung. Immer mehr kleine Gästehäuser und Eco-Resorts siedeln sich direkt am Waldrand an und werben mit der unberührten Natur. Für digitale Nomaden, die für ein paar Wochen aus der Stadt fliehen wollen, bietet diese Infrastruktur ideale Möglichkeiten für "Workations" im Grünen. Der Wald wird so von einer reinen Rohstoffquelle zu einem Dienstleistungsstandort für Gesundheit, Erholung und Inspiration. Diese ökonomische Aufwertung ist der beste Schutz für die 40 % Waldbedeckung, da sie den Wert der stehenden Bäume über den Wert des geschlagenen Holzes hebt.

Für Unternehmer im Tourismusbereich ist die Waldbedeckung daher ein strategisches Asset. Ein Grundstück mit Blick auf geschlossene Waldformationen ist wertvoller als eines in einer degradierten Landschaft. Dieser marktwirtschaftliche Aspekt führt dazu, dass auch private Akteure zunehmend Interesse an einem stabilen Waldbestand haben. In der Region Racha beispielsweise ist der Tourismus rund um die waldreichen Gebirgsseen zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden, der ohne die geschlossene Waldbedeckung seine Attraktivität verlieren würde.

Klimawandel und die Resilienz des georgischen Waldes

Wie alle Länder ist auch Georgien vom Klimawandel betroffen, was direkte Auswirkungen auf die Waldbedeckung hat. Steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster führen zu Stress für bestimmte Baumarten. In den tieferen Lagen Ostgeorgiens beobachtet man eine zunehmende Trockenheit, die das Waldsterben begünstigt und das Risiko von Waldbränden erhöht. Waldbrände sind in Georgien in den letzten Jahren zu einer größeren Gefahr geworden, insbesondere in trockenen Sommermonaten in Regionen wie Borjomi oder Kakheti.

Die nationale Anpassungsstrategie an den Klimawandel sieht daher vor, die Resilienz der Wälder zu erhöhen. Dies geschieht durch eine Diversifizierung der Baumarten bei Wiederaufforstungen und durch ein besseres Brandschutzmanagement. Glücklicherweise bietet die topografische Vielfalt Georgiens den Wäldern gewisse Fluchtmöglichkeiten: Arten können über Generationen hinweg in höhere, kühlere Lagen ausweichen. Dennoch bleibt der Klimawandel die größte langfristige Bedrohung für den stabilen Rohwert von 40 %. Wer Georgien langfristig als Heimat wählt, wird beobachten müssen, wie das Land dieses ökologische Erbe gegen die klimatischen Veränderungen verteidigt.

Expats können sich auch hier engagieren: Es gibt zahlreiche NGO-Projekte, die sich der Aufforstung und dem Brandschutz widmen. Die Beteiligung an Baumpflanzaktionen ist unter der jungen, städtischen Bevölkerung Tbilisis sehr beliebt geworden und bietet auch für Neuankömmlinge eine gute Gelegenheit, sich mit der lokalen Gemeinschaft zu vernetzen und einen Beitrag zum Erhalt der georgischen Natur zu leisten. Solche gesellschaftlichen Initiativen ergänzen die staatlichen Bemühungen und zeigen die hohe emotionale Bindung der Georgier an ihren Wald.

Praktische Tipps für Expats im Umgang mit Georgiens Wäldern

Wenn man die georgische Natur genießt, sollte man einige landesspezifische Gegebenheiten beachten. Erstens: Die Wälder sind oft sehr wild. Im Gegensatz zu den stark gepflegten Forsten in Mitteleuropa gibt es in Georgien viel Totholz, dichten Unterwuchs und oft keine festen Wege außerhalb der Nationalparks. Gute Ausrüstung und eine verlässliche Navigations-App (wie Komoot oder AllTrails) sind für Wanderungen unerlässlich. Zweitens: Die Tierwelt ist präsent. In vielen Waldgebieten sollte man sich über das richtige Verhalten bei Begegnungen mit Hirtenhunden oder Wildtieren informieren.

Drittens: Brandschutz ist oberstes Gebot. In den trockenen Monaten ist offenes Feuer in Waldnähe streng verboten und kann hohe Strafen nach sich ziehen. Da die georgische Feuerwehr in abgelegenen Berggebieten oft lange Anfahrtswege hat, ist Prävention hier lebenswichtig. Viertens: Eigentumsverhältnisse klären. Da ein Großteil des Waldes Staatsland ist, ist das Campen in vielen Gebieten erlaubt, solange man sich an die Regeln der Nationalparks hält. "Leave No Trace" sollte dabei eine Selbstverständlichkeit sein, um die Schönheit der 40 % Waldbedeckung für künftige Generationen zu erhalten.

Fünftens: Regionale Spezialitäten nutzen. Der Kauf von Honig, Nüssen und Beeren direkt von lokalen Sammlern am Straßenrand unterstützt die ländliche Wirtschaft und fördert den Erhalt des Waldes. Es ist eine der direktesten Möglichkeiten, wie man als Expat den Wert der georgischen Natur in den eigenen Alltag integrieren kann. Die Qualität dieser Produkte ist aufgrund der naturnahen Waldbewirtschaftung oft herausragend und ein fester Bestandteil der georgischen Kulinarik, die man als Bewohner schnell schätzen lernt.

Fazit für Bewohner und Naturbegeisterte

Ein Score von 50/100 beschreibt Georgiens Waldbedeckung treffend als soliden Durchschnitt mit herausragenden qualitativen Spitzen. Mit einem Rohwert von 40 % Waldanteil bietet das Land eine Naturkulisse, die für Outdoor-Begeisterte, Wanderer und Suchende nach sauberer Bergluft kaum Wünsche offen lässt. Die vertikale Diversität vom subtropischen Regenwald an der Schwarzmeerküste bis zum alpinen Nadelwald im Großen Kaukasus ist in dieser Kompaktheit international selten und stellt einen der größten immateriellen Werte Georgiens dar.

Dennoch sollte man als Bewohner die Augen offenhalten: Die Qualität der Wälder variiert, illegaler Holzeinschlag ist in entlegenen Regionen punktuell immer noch ein Thema und die Stadtwälder kämpfen mit dem Siedlungsdruck der wachsenden Metropolen. Die gute Nachricht ist die institutionelle Stärkung durch den Forstkodex von 2020 und die internationale Anerkennung durch das UNESCO-Welterbe. Wer Georgien als neuen Lebensmittelpunkt wählt, tut dies oft wegen der Natur – und der Wald mit seinen 28.000 Quadratkilometern ist das grüne Rückgrat dieses Versprechens. Die Nutzung der Nationalparks, der bewusste Konsum von Waldprodukten und das Verständnis für die ökologischen Zusammenhänge sind gute Wege für Expats, diesen Wert aktiv zu erleben und langfristig zu seinem Erhalt beizutragen.

Quellen

Dieser Artikel wurde erstellt am 10. Mai 2026

Waldbedeckung — Globales Ranking ↗

# Land Wert Score
1 Laos 82 % 100
1 Palau 87 % 100
1 Seychellen 88 % 100
1 Gabun 88 % 100
1 Französisch-Guayana 90 % 100
72 Slowakei 40 % 50
72 Dominikanische Republik 40 % 50
72 Georgien 40 % 50
72 Guadeloupe 40 % 50
77 Nordmazedonien 39 % 49
218 Barbados 0,3 1
218 Dschibuti 0,3 1
218 Kuwait 0,4 1
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